Sein Weg war von Kind an dem Sport gewidmet und sowohl in der Grundschule als auch auf dem Gymnasium und überall wo es Wettkämpfe gab, gewann er Medaillen und konnte Rekorde auf Kreis- und Regionalebene für sich verbuchen. Sein Name ist Professor Bai Rong, der Begründer des Taiji Bailong Ball. Über viele Stationen in seinem sportlichen Leben hinweg, ist Professor Bai Rong beim Boxsport gelandet und war als Trainer im Amateurbereich auch recht erfolgreich. Seine speziellen Methoden beim Training waren der Grund für schnelle Erfolge bei den ersten Meisterschaften auf Provinzebene. Sein besonderes Augenmerk beim Trainieren seiner Schützlinge galt vor allem einem verletzungsfreien Training. Über viel Probieren und einigen Umwegen kam es dazu, dass Professor Bai Rong eine Volleyballblase mit Wasser füllte und diese zum Spaß im Training mit einer Schüssel und später sogar mit einem Wok hin – und her spielen ließ. Fiel die mit Wasser gefüllte Blase beim Spiel auf den Boden, so konnte man beobachten, dass der „Ball“ weder sprang noch wegrollte. Nach genauerer Betrachtung erwies sich der Wok allerdings als recht unbrauchbares Werkzeug für das Spiel zu zweit und er entwickelte mit Hilfe eines Badminton-Schlägers das erste Racket für „Taiji Bailong Ball“. Und so kam es dazu, dass sowohl Racket als auch Ball im Jahre 1991 in China unter dem Begriff „Taiji Yuleqiu“ zum Patent angemeldet wurde. Seit 2004 gilt international der Begriff „Taiji Bailong Ball“.
Das diese Racket Sportart nach Europa gelangt ist, war vor allem einem Ereignis geschuldet. Es kam zu einer Bekanntschaft in China zwischen dem in Hamburg aufgewachsenen Sui Xiaofei, Sohn meines ersten Qi Gong Lehrers Prof. Sui QingBo, und Professor Bai Rong. Sui Xiaofei war sofort begeistert von dieser neuen Sportart und schnell war die Idee geboren dieses Spiel nach Europa und nach Deutschland zu tragen. Er wurde 2004 vom Begründer dieser neuen Sportart in einer Trainerausbildung eingewiesen und bekam offiziell den Auftrag Bailong Ball zu verbreiten. Zwischenzeitlich durch Professor Bai Rong auch zum Instructor ausgebildet, gründete Sui Xiaofei 2005 die „Taiji Bailong Ball Association e.V.“ (TBBA e.V.). Der Verein konnte im Laufe der Jahre viele Spielerinnen und Spieler aus ganz Europa für diesen Sport gewinnen und begeistern. Die früher unter Multiplay und Soloplay bekannten Spieldisziplinen wurden zwischenzeitlich geändert und unterscheiden sich nun in den Spielarten „Art“ und „Game“. Der Verein hat sich über viele Jahre der Entwicklung zur „Taiji Bailong Ball Federation e.V.“ (TBBF e.V.) umbenannt.
Äußerlich sind sich die bekannten Sportarten wie Tennis, Badminton, usw. auf der einen Seite und Bailong Ball auf der anderen Seite, sehr ähnlich. In jedem dieser Spielarten gibt es einen Schläger (Racket) und einen Ball. Allerdings unterscheidet sich Bailong Ball von den zuerst genannten Sportarten in einem Punkt ganz grundsätzlich.
„Der Ball wird nicht geschlagen!“
Ohnehin ist das Schlagen des Balles eine höchst ungeeignete Maßnahme in Bezug auf die Beschaffenheit des Materials und der Ausstattung. Im Bailong Ball sagen wir zum Spielgerät deshalb auch Racket und nicht Schläger. Spielball und Racket haben in den vergangenen Jahren eine Art Metamorphose durchgemacht in Bezug auf Optik, Material, Beschaffenheit und Spieleigenschaft. Der Spielball war und ist in seiner unterschiedlichen Ausführung immer mit etwas Sand gefüllt. Die Bälle sind meistens aus einem Kunststoff, aber traditionell auch als Filzball erhältlich. Beim Herunterfallen des Balles geschieht dann genau das, was zuvor beschrieben wurde, der Ball springt weder weg noch rollt er davon. Aber genau diese Eigenschaft macht es aus, dass der Ball gut im Racket geführt werden kann. Die modernen Rackets werden mittlerweile aus Carbon hergestellt. Im Gegensatz zu den bekannten Rackets beim Tennis oder Badminton sind die Bailong Ball Rackets mit einer Art Membran aus weichem Kunststoff bespannt. Die unterschiedliche Ausführung der Membranen erlaubt verschiedene Spieltechniken. So sind die etwas weicher bespannten Rackets eher für Anfänger geeignet, weil der Ball besser im Racket liegt. In diesem Fall hängt die Membran etwas mehr durch. Für die Fortgeschrittenen ist die Membran eher flach und etwas straffer bespannt. Die Beschaffenheit der Membran ist auch entscheidend in Bezug auf die Spielarten. Für die Spielart „Game“ sind die Membranen eher etwas straffer gespannt. Für die Disziplin „Art“ ist eine weiche und etwas durchhängende Membran besser geeignet für die Führung des Spielballes.
„Game“ bedeutet, dass sich mindestens 2 Akteure den Ball zuspielen und dies geschieht überwiegend nach dem Prinzip des Miteinander. Dabei wird der Ball harmonisch und in runden und weichen Bewegungen aufgenommen, die Energie des Balles umgeleitet und wieder zum Gegenüber weitergeleitet, ganz nach den Grundsätzen des Taiji. Die Bewegungen des Körpers sind elastisch und weich und der Ball bewegt sich ausschließlich in Kreis- oder Bogenbahnen. Game bedeutet auch Spiel über ein Netz, sowohl im Doppel als auch im Einzelspiel. „Art“ ist eine künstlerische und tänzerische Form des Bailong Ball. Dabei spielst du alleine, nur mit deinem Racket und einem Ball. Mit fließenden Bewegungen bringst du den Ball in Schwung. In dieser Spielart tritt das Prinzip des Taiji noch deutlicher hervor. Deine Bewegungen erinnern an eine Choreographie wie beim Tanzen oder an einen Stil aus dem Taijiquan. Dabei kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen, vielleicht sogar unterstützt durch eine geeignete Musik. Nun können diese beiden Spielarten auch noch kombiniert werden und es entsteht ein Spiel zu zweit mit höchst anspruchsvollen und ästhetischen Bewegungen.
Bailong Ball spielen wir in Bielefeld nun seit dem Jahr 2019, als eigene Abteilung innerhalb des Gadderbaumer Turnvereins. Jeden Mittwochabend treffen wir uns in einer Sporthalle in Bielefeld. Deutschlandweit sind wir die einzige Bailong Ball Spielgruppe auf Vereinsebene. Mit unseren Aktivitäten wollen wir die noch recht unbekannte chinesische Sportart bekannter machen. Bailong Ball bringt Menschen und Nationen zusammen. In unserem übergeordneten und europäisch aufgestellten Verein, der Taiji Bailong Ball Federation e.V. verbinden wir Menschen aus Russland, Ukraine, Italien, Portugal, Niederlande, Frankreich und Deutschland. In China ist Bailong Ball mittlerweile ein Volkssport. Davon sind wir in Europa noch weit entfernt. Dabei ist diese Sportart nicht nur im eigentlichen Sinne ein Sport, sondern vielmehr auch Bewegungstherapie. Bailong Ball kann darüber hinaus auch zur Prävention, als Rehamaßnahme, zur Lebenspflege oder auch einfach nur zum Spaß gelernt und gespielt werden. Im Jahr 2025 hat der TBBF e.V. ein Handbuch Bailong Ball herausgebracht. Dieses Handbuch ist vor allem für den Unterricht an Schulen entwickelt worden. Ausgebildete Bailong Ball Trainer sollen Lehrkräften an Schulen die Grundlagen des Spiels vermitteln, Lehrkräfte wiederum das Spielen den Kindern an den Schulen. Insbesondere bei Kindern kommt das bewegende Moment in der heute durch und durch digitalen Welt zu kurz.
Ob wir uns beim Spielen von Bailong Ball in der Disziplin „Art“ oder „Game“ bewegen, wir trainieren den gesamten Körper. Die runden und weichen Bewegungen mit denen das Racket geführt wird, haben eben solche weichen und spiralförmigen Auswirkungen auf unseren Körper, auf alle Muskeln, Faszien und Gelenke. Der Bewegungsapparat wird wohltuend gedehnt, Gelenke schonend mobilisiert. Und jeder kann, angepasst auf seine eigene gesundheitliche Situation, dass Training mehr oder weniger intensiv gestalten. Diese Racket Sportart ist für Jung und Alt ein idealer Ausgleich zum Alltag. Neben der körperlichen Ebene erzielt das regelmäßige Üben von Bailong Ball auch einen Ausgleich auf der psychisch-emotionalen Ebene. Das Schwingen des Körpers samt Racket hat ähnliche Wirkmechanismen wie beim Üben von Taiji oder Qi Gong. Ausdehnung und Entspannung im ständigen Wechsel und eine integrierte Atmung bringen auch Körper, Geist und Seele wieder in die Ruhe. Es handelt sich hierbei um eine perfekte Bewegungstherapie für gestresste Menschen, auf der einen Seite das Bewegungselement und auf der anderen Seite die Möglichkeit für Ruhe und Harmonie. Eine ganz besondere Form der Entspannung und innerer Ruhe erfahren wir bei der Disziplin Art, das Solospielen mit Racket und Ball. Hierbei können wir nach vorgegebenen Choreografien üben oder den Gedanken freien Lauf lassen und sich wie in einer Art Freestyle bewegen. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Erfahrungen sammeln nur diejenigen, welche diese noch recht junge Sportart ausprobieren.
Uwe Hielscher – Qi Gong und Energetik Therapeut
